Weg vom Ballermann: So plant man ein Wanderwochenende auf Gran Canaria

Wenn man Gran Canaria sagt, denken viele an Playa del Ingles. An Bettenburgen und All-inclusive-Pools. Das war auch lange mein Bild. Bis ein verlängertes Wochenende mit einem spontanen Mietwagen alles änderte. Wir fuhren nicht Richtung Strand, sondern bergauf. Und landeten in einer anderen Welt. Einem Kontinent im Miniaturformat, mit Schluchten, die an den Grand Canyon erinnern, duftenden Kiefernwäldern und fast verlassenen Dörfern. Seitdem bin ich überzeugt: Die wahre Magie der Insel erschließt sich zu Fuß. Ein Wanderwochenende hier ist nicht nur machbar, es ist eine Offenbarung für alle, die die üblichen Touristenpfade satt haben.

Die Planung dafür ist einfacher, als man denkt. Wichtig ist nur, den inneren Schweinehund zu überlisten und nicht dem Ruf der Liege am Hotelpool zu folgen. Mein erster Tipp: Konzentriert euch auf einen Teil der Insel. Gran Canaria ist rund, und die Straßen sind kurvig. Für ein Wochenende lohnt es sich, eine Region als Basis zu wählen. Eine hervorragende Quelle für detaillierte Routen und lokale Geheimtipps abseits der großen Plattformen ist die Website gran-canaria-tipps.com. Dort findet man Wanderungen, die man so in keinem Standardreiseführer sieht, mit genauen Wegbeschreibungen und realistischen Zeitangaben.

Unser erstes Basislager schlugen wir in Tejeda auf. Ein Dorf, das wie hingetupft zwischen den gewaltigen Felsformationen des Bentayga und des Roque Nublo liegt. Die Luft ist kühl und klar, und abends sitzt man nicht in einer Bar, sondern schaut den Schafen zu, wie sie durch die Gassen ziehen. Von hier aus starten unzählige Wege direkt vor der Haustür. Perfekt, um keine Minute mit langen Autofahrten zu verschwenden.

Freitagabend: Ankommen und Einkaufen

Flüge landen oft spät am Freitag. Statt sich im Süden einzuquartieren, empfehle ich, direkt vom Flughafen aus ins Zentrum der Insel zu fahren. Die Fahrt nach Tejeda oder auch nach Artenara dauert etwa eine Stunde, ist aber bereits das erste Erlebnis. Die Straße windet sich hinauf, die Luft wird frischer, und die Lichter der Touristenzentren verschwinden hinter einem. Vor der Ankunft in einer der kleinen Dorf-Supermärketen (in Cruz de Tejeda gibt es einen mit guter Auswahl) haltmachen. Wasser, Brot, Käse, Obst – für das Frühstück und für ein einfaches Picknick unterwegs. Restaurants gibt es, aber sie schließen früh.

Samstag: Die Klassiker erobern

Der erste Wandertag ist für die Ikonen reserviert. Startet früh, wenn die Morgensonne die Felsen golden färbt und die Gruppenbusse noch nicht eingetroffen sind. Eine klassische, mittelschwere Runde führt vom Parkplatz bei La Goleta zum Roque Nublo, dem heiligen Felsen der Altkanarier, und weiter zum Bentayga. Der Weg ist gut ausgebaut, aber festes Schuhwerk ist Pflicht. Die Aussicht von beiden Punkten ist atemberaubend. Man sieht das gesamte zentrale Hochland und bei klarem Wetter bis zur Nachbarinsel Teneriffa mit dem Teide. Die Tour dauert etwa drei bis vier Stunden. Danach hat man sich ein Mittagessen in einer der rustikalen Guachinches in der Umgebung redlich verdient.

Sonntag: Das geheime Tal entdecken

Am zweiten Tag geht es in die Schluchten. Das Barranco de Guayadeque ist ein beliebtes Ziel, aber für ein Wochenende zu weit weg. Stattdessen: Das Barranco de la Mina bei Tejeda. Hierfür war der Tipp von der Gran-Canaria-Website goldwert. Es ist eine Wanderung, die kaum ausgeschildert ist. Man folgt einem alten Wasserkanal, der in die Felswand gemeißelt ist. Der Pfad ist schmal, führt durch grüne Vegetation und an verfallenen Wasserhäuschen vorbei. Plötzlich hört man nur noch das Plätschern von Wasser und den Wind in den Palmen. Eine völlig andere, fast tropische Seite der Insel. Diese Wanderung fühlt sich an, als hätte man einen Schatz gefunden.

Was man wirklich in den Rucksack packen muss

Die Fehler macht man beim Packen. Die Sonne brennt in der Höhe intensiver, und das Wetter kann sich in Minuten ändern. Ein Pullover und eine leichte Regenjacke sind keine Paranoia, sondern Survival-Kit. Hier eine kurze, ehrliche Liste der Dinge, die wir bereut haben, nicht dabei gehabt zu haben, oder die uns gerettet haben:

  • Mehr Wasser als man denkt. Zwei Liter pro Person und Tag sind Minimum.
  • Sturzeug: Wanderschuhe mit gutem Profil, keine Turnschuhe. Die Wege sind oft steinig und sandig.
  • Eine Powerbank fürs Handy. Für Fotos und als Notfall-Karte. Netz gibt es oft nicht, aber GPS funktioniert.
  • Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor und eine Kopfbedeckung. Der Wind kühlt, aber die UV-Strahlung ist gnadenlos.
  • Ein paar Tüten Trockenfrüchte oder Nüsse. Die Energie für den letzten Anstieg kommt oft genau davon.
  • Eine kleine Tasche für Müll. Es gibt unterwegs keine Mülleimer. Was man reinbringt, nimmt man wieder mit.

Wo man übernachtet: Pension statt Resort

Vergesst Hotels mit Animationsteam. Sucht nach einer kleinen Landpension (Casa Rural) oder einer Ferienwohnung in einem der Bergdörfer. In Artenara gibt es sogar Wohnungen, die in die Felswand gebaut sind. Der Charme liegt in der Einfachheit. Man wacht mit dem Krähen des Hahns auf, nicht mit dem Geräusch der Poolpumpe. Der Gastgeber erklärt einem persönlich die Wege. Und der Preis ist ein Bruchteil einer Südküsten-Unterkunft. Bucht früh, die Auswahl ist begrenzt, aber das ist Teil des Reizes.

Die Rückreise stressfrei gestalten

Der Flug geht Sonntagabend? Kein Problem, aber plant den letzten Wandertag clever. Beendet die Tour spätestens gegen 15 Uhr. So habt ihr genug Zeit, zurück zur Unterkunft zu fahren, zu duschen, den Mietwagen zu packen und zum Flughafen zu fahren. Die Fahrt von der Mitte der Insel zum Airport dauert etwa eine Stunde, aber gebt euch eine Stunde Puffer. Die Straßen sind unberechenbar, und ein last-minute Stopp für einen letzten Blick auf den Ozean von einem der Miradores ist einfach Pflicht.

Warum es funktioniert

Ein Wochenende klingt kurz. Für Gran Canarias Küste stimmt das. Für das grüne Herz der Insel ist es die perfekte Dosis. Man taucht komplett ein, erschöpft sich körperlich auf eine gute Art und kommt mit Bildern im Kopf zurück, die nichts mit Sandburgen zu tun haben. Man hat das Gefühl, nicht nur einen Kurztrip gemacht, sondern einen kleinen Kontinent entdeckt zu haben. Es ist der schnellste Weg, dem Alltag zu entfliehen, den man sich vorstellen kann. Man muss nur den ersten Schritt weg vom Flughafen Richtung Berge machen. Der Rest ergibt sich von selbst.